Ausbruchskünstler Kornnatter

Zu Beginn meiner Kornnatterhaltung dachte ich, nein mir passiert so was nie und nimmer. Alle Terrarien sind ausbruchssicher. Denkste! Meine Tiere belehrten mich eines Besseren. Das Suchen der Flüchtigen erwies sich jedes Mal als sehr nervenaufreibend. In diesem Artikel beschreibe ich deshalb wie ich meine Schlangen wieder fand und noch viel wichtiger: Wie konnte die Kornnatter überhaupt abhauen?

Wiederfindungsstrategien

Zu 80% stolperst du via Google über diesen Artikel, weil du soeben festgestellt hast, dass jemand im Terrarium fehlt. Daher stelle ich dir zuerst ein paar Wiederfindungsstrategien vor.

Ganz wichtig: stell der entflohenen Kornnatter genügend Wassernäpfe in der Wohnung zur Verfügung, damit das Tier nicht dehydriert.

Sie ist gar nicht weg!
Bevor du dein ganzes Hab und Gut auseinander nimmst, nimm dir lieber zuerst das Terrarium vor. Klingt doof? Ist es aber nicht. In den meisten Fällen hat die Kornnatter einfach nur ein perfektes Versteck im Terrarium gefunden.

Typische Orte
Wenn man so die Fachbücher und Foren durchforstet stellt man fest, dass sich Kornnatter meistens an folgenden Orten aufhalten, nämlich in dunklen, engen, warmen, nicht allzu trockenen Orten, die alle in unmittelbarer des Terrariums sind. Deshalb sollten Nischen in der Nähe der Heizungen und der Elektronik, aber auch Pflanzen genauestens abgesucht werden.

Mögliche Fluchtwege nachzeichnen
Kornnattern bewegen sich oft an einer Mauer oder an Gegenstände entlang. Verfolgst du solche Wege, stösst du mitunter auf deinen Entflohenen.

Suche am Abend und in der Nacht
Zu dieser Zeit ist die Kornnatter unterwegs und daher leichter aufzuspüren. Schalte das Licht aus und suche mit einer Taschenlampe jede mögliche Nische ab. Der Vorteil hier ist, dass das Licht der Taschenlampe von den Augen des Tieres reflektiert wird.

Futterfalle bauen
Lege eine aufgetaute Maus auf ein grosses Stück Aluminiumfolie. Sobald die Schlange die Maus packt, wirst du es Rascheln hören. Na gut, dieser Trick funktioniert nur bei leichten Schläfern wie mir. Alternativ kannst du die Maus auch in einen für die Schlange genug grossen Bambusstab legen. Das Tier wird nach dem Fressen im Bambus liegen bleiben, da dieser lang, dunkel und vor allem schön eng ist, und somit die Kornnatter den für sie solch wichtigen Rückenkontakt hat. Wie du deine Kornnatter dann wieder aus dem Bambus herausbringst, ist eine andere Geschichte.

Mehl oder Erde verstreuen
Du kannst auch in der Wohnung vor dem Schlafengehen Mehl oder Blumenerde auf den gesamten Boden verstreuen. Aber Vorsicht: Das gibt eine riesen Sauerei! Aber mit ein bisschen Glück, kroch die Schlange durch diese Sauerei und du kannst ihr anhand der Kriechspuren folgen.

Diese Strategien wirken alle ein bisschen banal. Wichtig ist einfach, dass du täglich alle möglichen Orte absuchst und zwar immer wieder. Ich fand meine entschwundenen Tiere auch nur, weil ich sie suchte. Von alleine kam noch keine angekrochen.

Meine bisherigen Ausbruchskünstler

Sir Francis (3 Monate alt) entwischte aus seinem Terrarium, weil der Bodeneinstreu die Schienen der Scheiben blockierten. Er konnte sich so durch einen 3 mm grossen Spalt quetschen. Ich fand ihn nach drei Stunden etwa 15 Meter vom Standort des Terrariums entfernt wieder, schlafend auf einem Dekorationsschiff.

Sunny (2 Monate alt) büxte während der Fütterung aus einer geschlossenen Heimchenbox aus. Ich fand sie nach fünf Tagen in einer Pflanze auf dem Fenstersims. Sie genoss die Mittagssonne.

Sahir (ca 8 Jahre) konnte den Deckel der Transportbox wegdrücken und verschwand hinter dem Bücherregal. Nach etwa 30 Minuten fand ich ihn wieder. Der Tierarztbesuch blieb ihm trotzdem nicht erspart.

Sansa (Alter unbekannt) ertappte ich überraschend nach meiner Rückkehr von der Arbeit in meinen Kleiderschrank. Sie entkam  durch den Kabelzugang im Terrarium. Der Kabelzugang schloss ich mit Bauschaum.

Kaum setzte ich Sansa nach ihrem Fluchtversuch wieder ins Terrarium, floh sie gleich wieder

Kaum setzte ich Sansa nach ihrem Fluchtversuch wieder ins Terrarium, versuchte sie gleich wieder zu fliehen. Sansa kam über Nacht  in die Box of Shame (alias Transportbox) und der Kabelzugang wurde verschlossen.

Rumpel, Macchu und Jasdebi (alle 3 Jahre alt) entkamen während einem Wechsel einer Terrariumslampe. Macchu und Rumpel versteckten sich hinter dem Bücherregal und Jasdebi fand ich im Wandschrank.

Ursachen

Unachtsamkeit
Der Grund Nummer eins! Das Terrarium wurde nach der Fütterung nicht richtig geschlossen oder während dem Reinigen des Terrariums war man nur für 3 Minuten weg usw. Deshalb sollte auch niemals mit den Tieren im Halbschlaf hantiert werden. Achtsamkeit und Konzentration sind immer gefordert.

Unterschätzen der Jungtiere
Sie finden wirklich jede noch zu kleine Nische und können sich durchzwängen, vor allem zwischen den Schiebefenstern. Daher sollte diese abgesichert werden. Es reicht schon ein Isolierband drüber zukleben. Sieht zwar nicht hübsch aus, erfüllt aber seinen Zweck.
Obwohl die Tiere so klein und schmächtig sind, können sie eine enorme Kraft entwickeln, wenn es beispielsweise um das Ausbrechen aus der Heimchenbox (Futterbox) geht. Deshalb lieber noch ein Buch auf die Box legen.

Wechsel in ein neues Terrarium
Vor allem bei selbstgebauten Terrarien empfiehlt es sich während zwei Wochen um dieses Alufolie zu legen und die Tiere bei jeder Möglichkeit genau zu beobachten. Sie finden jede Lücke in der Sicherheit, wie beispielsweise zu grosse Ausgänge für Kabel oder zu grosse Lüftungslöcher.

Tykki Mykk versucht durch das Lüftungsgitter anzuhauen. Zum Glück wurde hinter dem Gitter noch ein feinmaschiges Netz gespannt.

Tykki Mykk versucht durch das Lüftungsgitter anzuhauen. Zum Glück wurde hinter dem Gitter noch ein feinmaschiges Netz gespannt. Dicht auf seinen Fersen ist Jasdebi. Beide können aber nicht entkommen.

Reparaturen am Terrarium
Auch nicht unterschätzen darf man die Gefahr, wenn im Terrarium ein Lüftungsgitter, eine Lampe oder dergleichen ausgetauscht werden muss und die Lücke nur provisorisch geschlossen wurde. So hauten mir gleich drei Kornnattern ab, als sich eine defekte Lampe aus dem Terrarium nahm. Auf die entstandene Lücke, legte ich die Bibel (Ironie ist nicht beabsichtigt), doch die kleinen Houdinis konnten dieses Buch wegdrücken.

Unsichere Transportbox
Je nach Grösse und Kraft des Tieres sind die Transportboxen nicht sicher genug. Deshalb sollten Boxen noch zusätzlich mit Klebeband gesichert werden – oder einfacher selber eine Basteln. Hierzu nimmst du eine gut verschliessbare Plastikbox aus dem Bau-und Hobbycenter und bohrst einfach genügend Luftlöcher. Diese Boxen sind nicht nur handlicher, sondern auch günstiger.

Garantiert ausbruchsicher

Garantiert ausbruchsicher: Aufbewahrungsbox zur Transportbox umgestaltet: Luftlöcher bohren und Innenraum verdunkeln. Hier beispielsweise mit Resten einer Rückwand und Schiefersteinen.

Vorsorge

Wohnung Schlangenfreundlich einrichten
Schliesst jedes Fenster, jede Türe, jeden Schrank und jede Schublade. Dies grenzt die Suche enorm ein (und die Wohnung sieht aufgeräumt auf). Von Vorteil sind auch Möbel, die ganz auf dem Boden stehen, so dass man während der Suche nicht auf seinen Knien herumrutschen muss. Aber am allerbesten und am einfachsten: Stellt einfach ein paar beschriebene Nischen in der Nähe des Terrariums zur Verfügung. Seit dem ich bei meinem Bücherregal, das in der Kriechlinie steht, alle Bücher an die Kante stellte, fand ich hinter den Bücher drei von insgesamt sieben Ausbrecher in kürzester Zeit.
Seitdem ich auf diese Dinge achte bin ich nun schon 19 Monate ohne Ausbruchserfolg. *Holz anfassen*

Kommentkämpfe bei Schlangen

Der Kommentkampf ist ein fest ritualisierter Kampf, der bestimmten angeborenen Regeln folgt (d.h. durch chemische, taktile und optischen Reize gesteuert wird) und immer zwischen zwei Männchen der gleichen Tierart stattfindet. Ziel des Kampfes ist es den Kontrahenten zu vertreiben aber niemals zu töten (im Gegensatz zum Beschädigungskampf).

Tanzende Schlangen

Bei Kommentkämpfen von Schlangen versucht das stärkere Männchen das schwächere auf den Boden zu drücken, solange bis dieses aufgibt und ohne Verletzungen flieht. Der Einsatz ihrer Zähne wird vermieden. Beide Schlangen beginnen sich zu umschlingen, richten sich auf und versuchen sich langsamen bis schnellen Bewegungen den Gegner zu umwinden und herabzudrücken. Meisten fallen beide Kontrahenten mehrmals um und verunstalten mitunter das Terrarium. Das gesamte Schauspiel dauert ca. fünf Minuten und sollte nicht unterbrochen werden.
Dieser „Ringkampf“ wurde in der früheren Literatur als Schlangentanz bezeichnet und beschrieb ein Balzverhalten bis sich herausstellte, dass nur männliche Tiere miteinander kämpfen.
Bei mehr als 100 Arten wurden diese Art der Kämpfe bereits beschrieben. Neben dem bereits erwähnten „Ringkampf“, den Kornnattern aber auch giftige Arten wie Klapperschlangen durchführen, existieren noch weitere Formen, wie der Fechtkampf. Die boa mandrita Männchen gehören zu den Arten, die diese Form des ritualisierten Kampf ausüben. Hierbei hängen sie nebeneinander über einem Ast und fechten mit ihren Körperenden bis einer der Kontrahenten zu Boden plumpst.
In seiner Studie von 2001 über male/male fight bei Schlangen fand Schuett eine interessante Korrelation zwischen dem Fang der Beute und die Häufigkeit des Kommentkampfes. Schlangen, die ihre Beuten erwürgten oder mit Gift töteten, kämpfen deutlich häufiger, als jene die ihre Beute beispielsweise gleich verschlingen. Für seine These spricht, dass Strumpfbandnattern keine Kommentkämpfe aufführen.

Das stärkere Männchen versucht das schwächere auf den Boden zu drücken

Das stärkere Männchen versucht das schwächere auf den Boden zu drücken.

 

Bei einem Kommentkampf umschlingen sich viele Schlangenarten und kann deshalb als Balzverhalten missinterpretiert werden

Bei einem Kommentkampf umschlingen sich viele Schlangenarten. Deshalb kann dieser Kampf als Balzverhalten missinterpretiert werden.

 

Gründe für die Kommentkämpfe

Der häufigste Auslöser eines Kommentkampfes ist die Anwesenheit eines paarungsbereiten, oftmals kleineren, Weibchens. Der Gewinner darf das Weibchen begatten. Oftmals finden solche Kämpfe, zumindest in künstlichen Habitate, auch ohne Anwesenheit eines Weibchens statt. Möglicherweise handelt es sich hier um einen Revierkampf. Ich schreibe hier „möglicherweise“, weil es noch nicht erwiesen ist, ob Schlangen im natürlichen Habitat überhaupt Reviere beanspruchen und inwiefern sie diese verteidigen oder eben nicht.

Im Terrarium meiner Kornnattermännchen beobachtete ich schon oft den Kampf um den bevorzugten Sonnenplatz. Der Ablauf ist immer der Selbe: Sansi (ja, entpuppte sich gerade durch diese Kommentkämpfe als Männchen) liegt auf dem besagte Platz. Ein zweites Kornnattermännchen, Sahir, legt sich zu ihm. Der Kampf beginnt und Sansi gewinnt. Immer. Bei der umgekehrten Ausgangslage findet hingegen nie ein Kampf statt, denn beide liegen zusammen an der Sonne. Kurze Zeit dachte ich ein zweiter identischer Sonnenplatz würde hier Abhilfe schaffen. Falsch gedacht! Der neue Platz wurde stoisch ignoriert. Inzwischen findet der Kampf um den Sonnenplatz noch alle zwei Monate statt. Inwiefern sich die Kontrahenten individuell wiedererkennen und solche Kämpfe in Zukunft vermieden werden, ist bisher in der Forschung ebenfalls unklar. Meine zwei Kampfhähne erkennen sich offenbar nicht wieder.
Bei Kommentkämpfen handelt es sich also um ein natürliches Verhalten, das vor allem während der Paarungszeit auftritt. Sollte dieses Verhalten aber auch ausserhalb der Fortpflanzungszeit zu oft auftreten, solltest du deine ständigen Streithähne trennen.

Beispiele von Kommentkämpfe auf Youtube:

von Kornnattern

von Mexikanischne Königsnattern während der Häutung

von Kreuzottern

 

Verwendete Literatur:

Greene, Harry (1997): Schlangen: Faszination einer unbekannten Welt. Basel: Springer. 127 ff.
Engelmann, Wolf-Eberhard (1981): Mit gespaltener Zunge. Aus der Biologie und Kulturgeschichte der Schlangen. Freiburg im Breisgau: Herder. 75.
Schuett, Gordon (2001): Phylogenetic correlation between male-male fighting and mode of prey subjugation in snakes in: acta ethologica. 4 (1): 31-49.

Der Umgang mit Schlangen

Stell dir folgendes Szenario vor: Du schläfst tief und fest. Plötzlich wird dir die Decke weggerissen, du wirst geschubst, wirst an deinem Arm aus dem Zimmer gezerrt und man fuchtelt dir mit dem Zeigefinger vor dem Gesicht herum. Ich behaupte mal, dass du deinem Angreifer nicht dankbar bist. So ergeht es auch deiner Schlange. Du darfst nie vergessen, dass die Kornnatter trotz jahrzehntelanger Zucht immer noch ein Wildtier ist und deshalb sehr sensibel auf Störungen von aussen reagiert. Hektik und ruckartige, schnelle Bewegungen solltest du in ihrer Gegenwart unterlassen.

Im Folgenden einige wichtige Tipps für den Umgang mit Schlangen, damit möglichst keiner der Parteien gestresst wird.

Aufwecken der Schlange

Falls du die Schlange zwingend wecken musst, berühre bei Möglichkeit die Seite der Schlange oder den Rücken. Viele wachen gleich auf. Wenn dein Tier nicht dazugehört, streichle einfach deine Schlange. Gib ihr ein bisschen Zeit, bis sie sich wieder orientieren kann und nimm sie dann aus dem Terrarium. Du wirst mit der Zeit feststellen, dass dein Tier nicht mehr gleich in Panik ausbricht. Versuche allgemein, vor allem bei den jüngeren, die Tiere von unten oder seitlich aus dem Terrarium zu nehmen. Wenn du die Schlange von Oben packst, bricht dein Pflegling in Panik aus, da du instinktiv als Fressfeind wahrgenommen wirst.

Handling der Schlange

Halte deine Schlange nie fest. Lass ihr immer den Freiraum durch deine Hand zu kriechen. Du wirst sehen: Dein Tier wird sich beruhigen, sie wird sich an deinen Armen festhalten und diese als Klettermöglichkeit wahrnehmen. Zudem sollte das ständige Betatschen des Tieres unterlassen werden. Die Schlangen mögen dies überhaupt nicht und beissen irgendwann zu. Für das Handling von Schlangen existieren verschiedene Hilfsmittel, wie Handschuhe und Schlangenhaken. Bei Kornnattern sind diese Hilfsmittel nicht unbedingt nötig.

Das erste und auch letzte Mal als ich den Schlangenhaken benutzte

Das erste und auch letzte Mal als ich den Schlangenhaken benutzte

 

Körpersprache

Aussichtsposition

Dies ist noch keine Drohgebärde. Die Kornnatter stellt sich auf, damit sie ihr Wahrnehmungsgebiet verbessert. Im Gegensatz zu den meisten Schlangenarten ist die Sehkraft der Kornnatter sehr gut. Schätzungen zu Folge hat sie bis auf 5 Meter etwa die gleiche Sehkraft wie der Mensch. Wissenschaftliche Studien hierzu existieren aber noch nicht.

Die Kornnatter beurteilt die aktuelle Situation

Die Kornnatter beurteilt die aktuelle Situation

 

Fress-Attacke-Position

Die Kornnatter schleicht sich, in der sogenannten S-Position, an ein vermeintliches Beutetier heran. Sie schlängelt sich langsam vor, dabei bleibt ihr Kopf am Boden. Sobald sie Ihr Ziel in „Griffnähe“ hat, wird sie zubeissen.

Typisches Anschleichen an ein Beutetier

Typisches Anschleichen an ein Beutetier

 

Ich bin sauer Position

Die Kornnatter nimmt wieder die S-Position. Im Gegensatz zur Fress-Attacke-Position ist ihr Kopf in der Höhe und sie peitsch wohlmöglich mit ihrem Schwanz. Manche Tiere sind kleine Bluffer. Sie führen diese Drohgebärde vor und verschwinden dann schnellst möglichst in ein Versteck. Andere hingegen beissen zu. Dies führt uns zum nächsten Punkt: Schlangenbiss.

Diese Kornnatter ist richtig sauer

Diese Kornnatter ist richtig sauer

 

Schlangenbiss – was tun?

Als erstes heisst es Ruhe bewahren. Der Biss einer Kornnatter ist nicht gefährlich. Eine Tetanusimpfung ist bei jedem Tierbiss von Vorteil, weitere Behandlungen der Wunde sind aber meistens nicht nötig. Meiner Erfahrung nach existieren drei unterschiedliche Bissarten der Kornnatter:

Leichter Biss (Scheinangriff)

Vor allem sehr junge Tiere führen dieses Kunststück gerne vor. Sie schnellen vor und versuchen so ihren Angreifer zu erschrecken. In wenigen Fällen erwischen sie den Angreifer (also deine Hand). Über diesen „Glücksbiss“ erschrecken die Jungtiere mehr als du. Das Tier wird sich gleich nach der Attacke verkrümeln.

Mittlerer Biss

Die Schlange verwechselt deine Hand mit dem Futter oder ist sauer, das sie dir aber mit ihrer Körpersprache mitteilt. Dabei beisst sie dich in windelseile und lässt genauso schnell wieder los. Deine Bisswunde blutet zwar stark, schmerzt aber nicht und nach drei Tagen sieht man nichts mehr.

Schwerer Biss

Deine Schlange ist so richtig sauer und verbeisst sich in deine Hand. Je nach Grösse der Schlange kann dies sehr schmerzhaft sein. Auf keinen Fall solltest du an der Schlange ziehen, denn das bewirkt nur das Gegenteil. Versuch als erstes die Schlange auf den Boden zu legen. Sobald sie wieder festen Boden unter ihrem Körper spürt, lässt sie los. Dieser Trick funktioniert in den allermeisten Fällen. Andere Möglichkeiten sind noch: Ihr ins Maul zu pusten oder sie unter laufenden Wasser zu halten. Diese Art von Biss kommt aber sehr selten vor, da man ja die Körpersprache seines Tieres mit der Zeit gut versteht. Mir passierte dies auch einmal in meiner Anfängerzeit. Sansa, mein Kornnatter-Bullennatter Hybrid, verbiss sich in mein linkes Schlüsselbein. Die Wunde schmerzte noch etwa eine Woche und nahm in dieser Zeit viele verschieden Farben an. Aber das war’s dann auch.

Der Biss einer Kornnatter: Der Schock ist grösser als der eigentliche Schmerz

Der Biss einer Kornnatter: Der Schock ist grösser als der eigentliche Schmerz

 

Nach dem Schlangenbiss

Ein Schlangenbiss irritiert zunächst. Wichtig ist in diesem Moment: Du darfst das „Vertrauen“ zu deinem Tier nicht verlieren und eine Angst vor deinem Pflegling entwickeln. Jeder Schlangenhalter wurde bzw. wird mal von seinem Haustier gepackt. Versuche gleich, nachdem du zuerst deine Wunde versorgt hast, deine Schlange wieder in die Hand zu nehmen. Sie wird dich nicht nochmals beissen. Bei Stefan Broghammer las ich den Tipp, man solle in einem solchen Fall mit der Schlange 15 min TV gucken. Klingt seltsam, hilft aber tatsächlich. Du entspannst dich und dein Tier auch. Eine Angst vor deiner Kornnatter kann so gar nicht mehr entwickeln.