Fütterungsbedarf und die daraus resultierenden Fütterungsintervalle

Die Ernährung ist eines der wichtigsten und auch meist diskutierten Themen in der Terraristik. Als Einstieg zu dieser Thematik bietet dieser Artikel zunächst eine Zusammenfassung der aktuellen Forschungserkenntisse, welche Überlegungen wir daraus ziehen sollten und welche Fütterungsintervalle für Kornnattern daraus resultieren.

Erkenntnisse aus Studien mit freilebenden Schlangen

Unser Wissen über die Ernährung der Schlangen ist sehr begrenzt, da auch kaum Studien zu dieser Thematik vorliegen. Wir können aber anhand diverser Beobachtungen und aufgrund ihrer Physiologie davon ausgehen, dass Schlangen in grösseren Abständen Nahrung zu sich nehmen. Dies zeigt sich auch in verschiedenen Freilandstudien, die mit Stichproben arbeiten. Wie beispielsweise von Filippi im Jahr 2003. Sein Forscherteam untersuchte den Verdaaungstrakt von verschiedenen Schlangenarten. Dabei stellte er fest, dass von 42 gelbgrünen Zornnatter 67% Nahrung im Verdauungstrakt hatten, von 524 Gabunvipern 31%, von 329 Nashornvipern 26% und von 410 Plattnasenattern 27%.
Zudem konnte wissenschaftlich belegt werden, dass Schlangen auch Energie in Form von Fetteinlagerungen über einen längeren Zeitraum speichern können.
Leider wissen wir auch nicht genau, wie oft wildlebende Schlangen fressen. In der Terraristik und in Zoos kennt man, dass Schlangen plötzlich ohne ersichtlichen Grund das Fressen einstellen. Diese freiwillige Fastenzeit dauert unterschiedlich lang. Den ersten Fastenfall kennen wir aus dem Jahr 1835, bei dem eine Waldklapperschlange ganze 2 Jahre keine Nahrung zu sich nahm. Auch aus dem naturhistorischen Museum in Paris wird aus der gleichen Zeit von einer 22 monatelangen fastenden Klapperschlange berichtet. Der aktuelle belegte Rekord liegt übrigens bei drei Jahren und wird von einem Netzpython gehalten. Wir kennen längere freiwillige Fastenzeiten, die ein-zwei Jahre dauern können, auch von diversen kleineren Arten. So hungerte ein Massasauge aus dem Zoo San Diego 23 Monate und 4 Tage und eine Gabunviper aus dem Frankfurter Zoo sogar 30 Monate lang. Alle fastenden Schlangen hatten aber eine Gemeinsamkeit: Sie tranken regelmässig Wasser.

Vergleich der Nahrungsaufnahme von Schlangen

Leider wird noch von vielen Schlangenhaltern der natürliche Rhythmus der Schlangen nicht berücksichtigt.
Dieser Rhythmus besteht aus einer längeren Winterpause, kürzeren Sommerpausen, Pausen vor einer Häutung, während der Fortpflanzung und während einer Trächtigkeit.
Die Phasen der Nahrungssuche und Aufnahme beschränken sie bei wildlebenden Schlangen auf wenige Monate. Die Geringelte Blattnasennatter frisst nur vom Mai bis August, während die Rotseitenstrumpfbandnatter sogar nur während drei Monaten Futter zu sich nimmt.
Von uns Terrariern wird auch häufig nicht die Tageszeit der Nahrungsaufnahme unserer Schützlinge beachtet. Kornnatter fressen beispielsweise in der Dämmerung und in der Nacht. Sie können sich natürlich an unseren Tagesrhythmus gewöhnen und auch tagsüber fressen.
Wir müssen uns also der Tatsache stellen, dass unsere Tiere im Vergleich zu ihrer in Wildnis lebenden Artgenossen sehr unnatürlich ernährt werden auf jeder der vier Ebenen (Futterart- und Menge, Fütterungszeiten- und Intervalle)
Viele Terrarier halten ihre Tiere bewusst leicht untergewichtig, damit die Tiere nicht verfetten. Ich denke aber hier muss man einen Unterschied zwischen leichten Übergewicht und echter Fettleibigkeit ziehen.
Als Faustregel gilt: je grösser eine Schlange ist, desto seltener benötigt sie Nahrung.
Die einzigen Ausnahmen bilden trächtige Tiere, die meisten kleinere Futtertiere bevorzugen sowie kranke Schlangen, die mit kleineren Futtertieren, dafür aber regelmässiger gefüttert werden, damit der geschwächte Organismus nicht überlastet wird.
Jungtiere sollten in einem geringeren Abstand gefüttert werden, da sie einen hohen Nährstoffanspruch haben.
Der wichtigste Faktor bei der Verdauung einer Schlange ist die Temperatur im Terrarium. Von ihr hängt die unproblematische Verdauung des Futtertiers ab. Ist die Temperatur zu niedrig oder zu hoch führt dies zum Erbrechen der Nahrung. Bei der Kornnatter liegt die ideale Temperatur bei ca 27 Grad.
Die Wichtigkeit einer artgerechtet Fütterung zeigt die Studie von Bonnet 2001 auf. Reichlich gefütterte Jungtiere der Gabunvipern unterschieden sich markant in der Länge und Körpermasse von ihren weniger nahrhaft ernährten Geschwister. Eine falsche Fütterung kann demnach negative Konsequenzen für die Gesundheit unserer Schützlinge haben.

Fütterungsintervalle bei Kornnattern

In jedem Einführungsbuch zur Kornnatter findet man den Fütterungsplan nach Munson. Munson orientiert sich nach dem Gewicht der Schlange und verfüttert nur Mäuse.

Fütterung nach dem Munson Plan

Die Fütterungsintervalle nach dem Munson Plan

Die Fütterungsintervalle nach dem Munson Plan (cornsnakes.com)

Dieser Plan stellt eine gute Orientierung dar. Ich fütterte meine Tiere sechs Monate lang nach diesem Plan mit dem Ergebnis, dass die Jungschlangen doch sehr gut Futter anlegten, während meine Grossen an Gewicht verloren.

Aus diesen Gründen entwickelte ich selber einen Fütterungsplan, der sich an der Grösse der Schlange, bzw an der Grösse ihres Kopfes orientiert und der entsprechenden Grösse des Futtertieres.

ratte

2-3 Tage alte Mäuse, 5 Tage alte Mäuse, 10 Tage alte Mäuse, 10-12 gr schwere Mäuse, 18-22 gr schwere Mäuse, 30 gr Ratte, 50 gr Ratte und 80 gr Ratte

 

  • Frischgeschlüpfte ersten drei/ vier Monate: 2-3 Tage alte Mäuse alle 7 Tagen
  • Jungtiere ab dem 4/ 5. Monat: 5 Tage alte Mäuse alle 7 Tagen
  • Übergang Jungtier/ Subadult ab dem 8/9. Monat: 10 Tage alte Mäuse alle 7 Tagen
  • Subadult ab dem 10. Monat/ einem Jahr: 10-12 gr schwere Mäuse alle 7 Tage
  • Adulte ab ca 2 Jahren: 18-22 gr alle 14 Tage
  • Adulte ab ca vier Jahren: 30 gr Ratte alle 21 Tage
  • Adulte ab 650 Gramm Körpergewicht: 50 gr Ratte alle 21 Tage
  • Adulte ab 1000 Gramm Körpergewicht: 80 gr Ratte alle 21 Tage

 

Literatur:

Filippi (2003): Dietary shifts in the western whip snake coluber viridiflavus. herpetozoa 16 61-66
Bonnet  (2001): plastic vipers: influence of food intake on size and shape of gaboon vipers j. zool. 3. 341-351
Schmidt (2005): Ernährung von Schlangen. Münster: Natur- und Tier Verlag 116 ff.

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