Fütterungstricks bei adulten Fressverweigerern

Ursachen

Wie im Artikel Fütterungsbedarfs und die daraus resultierenden Fütterungsintervalle beschrieben, können wir als Halter Schlangen kaum artgerechte Nahrung zur Verfügung stellen. Die Ersatznahrung wird nicht von allen Schlangen angenommen. Die Fressverweigerung selbst ist also keine Krankheit, sondern nur ein Symptom. Die Ursachenforschung ist leider sehr kompliziert und zeitintensiv. Zeit, die wir in den meisten Fällen nicht haben. Oft verweigern Schlangen die Nahrung aufgrund von Stress verursacht durch einen Transport, Veränderungen im Lebensraum oder nicht artgerechte Haltungsbedingungen. Zunächst sollte deshalb sichergestellt werden, dass alle Parameter des Terrariums stimmen. Ein anderer Grund können Krankheiten darstellen. Hier empfiehlt es sich eine Kotuntersuchung durchführen zu lassen und dann auf Anraten des Tierarztes weiter zu verfahren. Ist dies alles nicht der Fall, ist der Grund für die Fressverweigerung eine einfach Fresspause, aufgrund einer Häutung, Winterruhe oder einer Trächtigkeit.

Das Tier als Individuum

Alle Schlangenarten entwickelten eine charakteristische Methode des Beutefangs, die ein festes Verhaltensmuster beinhaltet. Dazu gehört oft auch eine Art Vorspiel. Findet dieses nicht statt, frisst die Schlange nicht. Ich besitze ein solches Exemplar: Sansa. Sie frisst erst dann, wenn sie mindestens eine Stunde lang in einer engen Nische verharren kann. Plötzlich schiesst sie aus der Nische und frisst. Gerade bei Kornnattern ist dies ein typisches Verhaltensmuster. Dazu muss beachtet werden, dass jede Schlange ein Individuum darstellt. Manche Schlangen fressen ohne Probleme in einer Transportbox, andere verweigern dann erst recht und einige fressen nur in Einzelhaltung, andere benötigen hingegen den Futterneid, damit sie endlich in eine Maus beissen.

Sansa ist essbereit

Sansa ist essbereit

 

Umstellung des Futterangebots

Meisten hilft bereits eine Umstellung des Futterangebots, beispielsweise anstelle einer Hausmaus einmal eine Vielzitzenmaus zu verfüttern. Bei an Totfutter gewohnten Schlangen kann auch Lebendfutter Abhilfe schaffen. An dieser Stelle muss aber erwähnt werden, dass in der Schweiz seit 2005 die Lebendfütterung verboten ist. Ausnahmen werden aber vom zuständigen Veterinärdienst in der Regel genehmigt. Ich empfehle eine solche Genehmigung dann einzuholen, wenn das Tier nur noch Lebendfutter frisst. Dies erspart manchen Ärger.
Manche Schlangen beginnen zu fressen, wenn man sie mit der Beute provoziert und ihr sogar das tote Futtertier zuwirft.

Eine andere Möglichkeit sind künstlich hergestellte Geruchsstoffe, die in den Duftvarianten „Maus“, „Echse“ oder „Frosch“ erhältlich sind. Das Futtertier wird mit dem Serum beträufelt, so dass es lecker für die Schlange duftet. Solche Mittelchen lassen sich über das Internet bestellen (Bsp. T-Rex Maker). Sie sind aber nicht gerade billig und nützen tun sie auch nicht.

Lokalität

Häufig wird vergessen, dass der Ort an dem die Schlange frisst, ebenfalls von hoher Bedeutung ist. Es gibt Schlangenarten, die fressen ihre Beute gleich nach dem Fang am Boden, andere schleppen ihre Beute in ein Versteck. Bei den in der Terraristik gängigsten Schlangenarten bewährte sich die separate Fütterung in einer Box. Das Tier wird für ein paar Stunden oder über Nacht in eine Box mit dem Futtertier gelegt. Die Box sollte an einem ruhigen Ort stehen und mit einem Tuch abgedeckt werden. Dies hat den Vorteil bei einer Gruppenhaltung, dass sich die Tiere nicht ineinander verbeissen können und auch keinen Bodengrund mitgefressen können. In der Ruhe fressen die Tiere meistens.
Ich habe eine Kornnatter, die von Klein an sehr unregelmässig frass. Es gab sogar Fresspausen von bis zu drei Monaten. Das Tier magerte deshalb auch immer mehr ab. Sämtliche Tricks, auch die absurdesten aus einschlägigen Foren, halfen nichts. Als ich dann die Kornnatter bei einer bevorstehenden Fütterung nicht von seiner Lieblingspalme herunterbrachte, bot ich ihm das Futtertier so an. Und siehe, der Kleine schellte mit dem Vorderteil von der Palme herunter, zog die Maus auf die Palme und frass sie. Selbst drei Jahre später frisst er die Maus fast ausschliesslich auf diese Art. Ab und an ist er doch so nett und frisst in einer Box. Dies stellt aber eine Seltenheit dar.

Essverweigerung bei adulten Tieren muss also nicht zwangsläufig Grund zur Sorge sein.

Häufiger als bei adulten Tieren tritt die Essverweigerung bei Neonaten auf. Auf dieses Thema gehe ich im nächsten Artikel genauer ein.

 

 

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