Haltungsbedingte Verletzungen und Erkrankungen bei Schlangen

Eine fehlerhafte Haltung ist immer noch die häufigste Ursache für Verletzungen und Krankheiten von Reptilien. Hierzu gehören Fehler in der Gestaltung des Terrariums, Klimagestaltung aber auch eine mangelhafte Ernährung und falscher Einsatz von Desinfektionsmittel und Medikamente. Die Folge solcher Zustände sind u.a. Verhaltensstörungen, Nahrungsverweigerung und Apathie. Ich stelle euch nun die weitverbreitesten Fehler vor, damit hausgemachte Krankheiten vermieden werden können.

Verletzungen durch falsche Terrariumsgestaltung

Quetschungen: Umstürzendes Dekorationsmaterial, Einklemmen in der Schiebetüre, Verletzungen durch den Schlangenhacken oder durch Zangen

Abschürfungen: scharfe Kanten, spitze Drähte, zu grobes Einstreu (insbesondere bei jungen Kornnattern)

Bisswunden: Zu viele Kornnattern auf zu engsten Raum, Bisse durch Mäuse bei der Lebendfütterung

Tiefere Wunden: Biss-und Krallenspuren durch Katzen oder Hunden beim „Auslauf“ der Schlange in der Wohnung

Verbrennungen: Falsche Installation von Heizmittel (Bsp. Heizstein wird zu schnell heiss), zu hohe Wattzahl der Wärmelampe für die Grösse des Terrarium, Kornnattern können in den Schutzkorb kriechen

Hitzestau: Keine ausreichende Belüftung vorhanden

Unterkühlungen/ Erfrierungen: Winterquartiere sind zu kalt, unzureichende Heizmaterialien für einen Transport im Winter

Verätzungen: Falscher Einsatz von starken Desinfektionsmittel

Festkleben von Schuppen: Wenn Dekorationsgegenstände im Terrarium mit Klebeband festgemacht sind, Fensterabdichtungen

Nichts klebt so gut wie Schlangenschuppen: Jungtier klebt an der Fensterisolierung der Terrariumsschiebetür fest. Nach einem 40 minütigen Bad mit PH neutraler Seife konnte das Tier ohne Schäden befreit werden.

Nichts klebt so gut wie Schlangenschuppen: Jungtier klebt an der Fensterisolierung der Terrariumsschiebetür fest. Nach einem 40 minütigen Bad mit PH neutraler Seife konnte das Tier ohne Schäden befreit werden. Wichtig: Niemals den Klebestreifen auf Ruck wegziehen.

 

Stoffwechselerkrankungen durch mangelhafte Ernährung

Gicht

Symptome: Inappetenz, zu vieles Trinken und Baden, apathisches Verhalten

Ursachen: Produktion von zu viel Harnsäure aufgrund zu häufiger Proteinzufuhr, die sich in den Gelenken ablagert
oder eine Erkrankung der Niere selbst
oder ein hohes Alter des Tieres
oder Wassermangel

Therapie: Eine Therapie ist nur eingeschränkt durch Haltungsoptimierung, dosierter Proteinzufuhr und Gaben von Allopurinol möglich. Bei fortgeschrittener Gicht muss das Tier leider eingeschläfert werden.

Vorsorge: passendes Fütterungsintervall, ausreichende Wasserversorgung

Rachitis (Mineralisationsstörung des Skeletts)

Symptome: Deformationen der Wirbelsäule, Wachstumsstörungen und Tetanie (krampfartige Störung der Motorik)

Ursachen: Unzureichende Versorgung von Kalzium und Phosphat, wenn der Schlangen nur Fleisch-oder Fischstreifen verfüttert werden

Therapie: Vitaminzufuhr optimieren, bei zu starker Deformation das Tier einschläfern lassen.

Vorsorge: ganze Mäuse/ Ratten verfüttern

Vitamin C Mangel

Symptome: matte und glanzlose Schuppen, Risse in der Haut, dünne Haut

Therapie: Vitamin C Injektionen

Vorsorge: Futtertiere mit gut gefülltem Magen-Darmtrakt verfüttern

Vitamin E Mangel

Symptome: permanente Häutungsschübe, Veränderungen von Fettablagen in der Haut, Hautnekrosen (Absterben von einzelnen Schuppen)

Therapie: Verabreichung von Vitamin E, Veränderung des Futters und des Futterintervalls

Vorsorge: passendes Fütterungsintervall, nicht zu viele Beutetiere auf einmal verfüttern

„Überdosis“ von Vitaminen (A und D3)

Symptome: Häutungsschübe, erhöhte Bildung von Eptiphelzellen im Bereich der Eileiter (eine Ursache der Legenot), Verkalkungen der Gefässe

Ursache: Zu vitaminreiche Ernährung der Futtertiere und/ oder zusätzlich injizierte Vitamine in das Futtertier

Therapie: Optimierung des Futters, Vitaminpräparate weglassen

Vorsorge: ohne tierärztliche Verschreibung keine zusätzlichen Vitamine verabreichen, auf die Qualität der Futtertiere achten

Verstopfungen

Symptome: Apathie, Verdickungen bei der Kloake

Ursachen: übermässig vieles Füttern, Nahrung ist zu schwer verdaulich, die Temperaturen im Terrarium sind zu niedrig, allgemeiner Bewegungsmangel aufgrund fehlender Einrichtung und Grösse des Terrariums, Aufnahme von Fremdkörpern

Therapie: Warme Bäder, Bauchmassagen, Einläufe oder chirurgische Eingriffe
Verstopfungen können aber auch bereist Symptome von Entzündungen der Darmwand sein. Dies ist eine lebensbedrohliche Situation und erfordert das schnelle Eingreifen des Tierarztes.

Vorsorge: passendes Fütterungsintervall, genügend Bewegung und richtige Temperatur für die Verdauung (Sonnenplatz bei mindestens 27 Grad)

Fettsucht

Symptome: Verfettung der Schlange (Hals ist nicht mehr sichtbar), Verfettung der Muskulatur

Ursachen: Überfütterung und Bewegungsmangel

Therapie: Anpassung des Fütterungsintervalls, Diät

Vorsorge: passendes Fütterungsintervall, genügend Bewegung

Vergiftungen

Schlangen können sich auf drei verschiedenen Wege vergiften.
Vergiftungen durch das Futtertier aufgrund einer Überdosierung des Äthers oder Rattengift (bei wilden Mäusen)

Rauchvergiftungen aufgrund von Bränden in der Wohnung oder im Terrarium

Vergiftungen aufgrund falscher Dosierung von Parasitenbekämpfungsmittel und Desinfektionsmitteln.

Reptilien reagieren äussert sensibel auf Präparate, die aus der Tiermedizin bekannt sind. Aus diesem Grund sollten Medikamente und Parasitenbekämpfungsmittel immer nach Dosierung des reptilienkundigen Tierarztes verwendet werden. Auf eine Vergiftung durch solche Präparate erfolgt meistens der Tod des Tieres durch Erstickung oder multiples Organversagen.

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